Ihr Leben
1938 – 2026
Achtundachtzig Jahre, zwei Städte, eine große Familie – und immer ein Buch in Reichweite.

Lübeck, ihre Heimatstadt: Das Holstentor sah sie jeden Morgen auf dem Weg zur Schule.
Nachruf
Eine, die zuhören konnte
Margarete Lindholm war keine laute Frau. Wer sie kannte, erinnert sich an ihre Ruhe, an ihr aufmerksames Zuhören und an die Art, wie sie eine Frage mit einem Buch beantworten konnte. In ihrer Bibliothek fanden Kinder ihr erstes Lieblingsbuch und Erwachsene manchmal ein Gespräch, das sie lange nicht geführt hatten.
Sie liebte die Ostsee, ihren Garten und die Musik. Sie konnte stundenlang Rosen schneiden und dabei Bach summen. Und sie hatte für jede Lebenslage einen Satz parat, meist aus einem Roman, manchmal aus der Bibel, gelegentlich von ihrer eigenen Mutter.
Was sie uns hinterlässt, steht in keinem Testament: ihre Geduld, ihren Humor und die Gewissheit, dass man nie zu alt ist, etwas Neues zu lesen.
Lebensweg
Stationen eines Lebens
1938

Kindheit an der Trave
Margarete kommt am 14. März in Lübeck zur Welt, als zweites Kind eines Buchbinders und einer Schneiderin. In der Werkstatt des Vaters lernt sie früh den Geruch von Leim und Papier lieben.
1955
Lehrjahre zwischen Büchern
Nach der Mittleren Reife beginnt sie eine Lehre in einer Lübecker Buchhandlung. Wer sie um Rat fragt, geht selten ohne ein Buch nach Hause.
1961
Aufbruch nach Hamburg
Sie zieht nach Hamburg und arbeitet in einer Buchhandlung am Gänsemarkt. Auf einem Tanzabend lernt sie Heinrich Lindholm kennen, einen jungen Schiffsingenieur.
1963

Hochzeit
Im Mai heiraten Margarete und Heinrich in der Kirche ihrer Kindheit in Lübeck. Sie bleiben 48 Jahre verheiratet.
1965
Anna und Thomas
Tochter Anna wird 1965 geboren, Sohn Thomas 1968. Die Familie wohnt in einer kleinen Wohnung in Altona, sonntags geht es an die Elbe.
1972

Vierzig Jahre Alt
Margarete tritt dem Kirchenchor ihrer Gemeinde bei. Vierzig Jahre lang singt sie dort im Alt, zu Weihnachten am liebsten Bach.
1979

Das Haus mit dem Garten
Die Familie zieht nach Rissen in ein Haus mit Garten. Hier pflanzt sie ihre ersten Rosen – am Ende sind es mehr als dreißig Sorten.
1984
Die Bibliothekarin
Sie wechselt in eine Hamburger Stadtteilbibliothek und bleibt dort bis zum Ruhestand. Ihre Vorlesestunden für Kinder sind im Viertel bekannt.
2011
Abschied von Heinrich
Heinrich stirbt im Herbst. Margarete bleibt in ihrem Haus, umgeben von Büchern, Rosen und den Besuchen ihrer Kinder und Enkel.
2018

Achtzig Jahre
Zum 80. Geburtstag fährt die ganze Familie an die Ostsee nach Travemünde, dorthin, wo Margarete als Kind ihre Sommer verbracht hat.
2026
Ein stiller Abschied
Am 2. September schläft Margarete in ihrem Haus in Rissen friedlich ein, im Kreis ihrer Familie. Im Garten blühen noch die letzten Rosen.